„Kunstvolles“ Innovieren

Aus „durst“, Ausgabe 69, Februar 2011

Fine Art Printing - neu definiert - als interessante Geschäftsmöglichkeit

Um aus krisenähnlichen Situationen - die heutige Wirtschaftslage hat zwar die Zeichen einer Krise abgelegt, die Profitabilitätssituation vieler LF-Printer ist jedoch auf Grund der gedrückten Preise unerfreulich - herauszukommen sind Innovation und Neu-Positionierung probate Mittel. Worin kann Innovation bei einem digitalen Druckhaus bestehen? Das Verwenden neuer Materialien - wobei die Neuheit anzuzweifeln ist - für POP, POS, großformat Werbung „indoor“ und „outdoor“ - ist nicht Innovation. Die Positionierung als Gestalter von Ausstellungen in Museen inklusive hochauflösend digitalisierte Kunstgegenstände und das Spiel mit unterschiedlichsten Druckmaterialien, das Drucken von Dekors auf Glas für Küchen, Trennwände, Möbel oder Türen oder das Drucken kunstvoller Tapetendesigns aus früheren Kunstepochen schon eher. Aber solche Nischen des LFP-Marktes haben wir in früheren Ausgaben des Process schon aufgezeigt, sind von Durst-Kunden wie der Fa. Lang aus Leonding, der Fa. Oschatz in Wiesbaden, Aztek in den USA und andere mehr, schon seit einiger Zeit erfolgreich besetzt. Mancher hat es mit dem Druck von Fassaden-Blechen versucht, von Möbelteilen wie Schrankrückwänden oder Schubladen-Innenteile, wobei das KnowHow des Colormanagements, des Filehandlings und des Beherrschens der Drucktechnik eine Partnerschaft zwischen Druckhaus und dem Industriefertiger entstehen hat lassen.

Wenn wir unsere Kunden der Fotobranche, die seit 1995 in über 1000 Lambdas investiert haben Revue passieren lassen, müssen wir feststellen, dass nur etwa 40-45 % davon sich im LFP und der Inkjet-Technologie etabliert haben; manche sind auf Grund des extremen Rückganges der Silber-Halogenid-Technologie, die qualitativ unerreicht bleibt - aus dem Markt ausgeschieden, manche sind noch im Fotografischen aktiv. Allen diesen Fotolaboren war und ist gemeinsam das Beherrschen der Bildwiedergabe, die Perfektion von Farbe, Auflösung, Dichte. Das Bild als Kunstwerk und als Botschaft war Fokus ihrer Arbeit, nicht, wie im kommerziellen LFP, die Text~Botschaft ergänzt mit Bild. Deshalb verwundert es, dass dort, wo Bilder als Kunst verkauft werden, im Fine Art Printing Markt, kaum Unternehmen tätig sind, die aus dem Fotolabor kommen und heute im LFP-Markt ihr (hartes) Brot verdienen. Fine Art Printing - erst durch die IRIS-Inkjet-Maschine der 90er Jahre erfunden und heute von Rollendruckern bis 24" von Canon und Epson besetzt - ist eine Kategorie außerhalb des normalen Inkjet-Druck, fast ein elitärer Kreis von „Produzenten“ und Medien-Lieferanten. Medien in Fine Art Printing sind meist teure Büttenpapiere oder Barytpapiere, die Tinten sind pigmentierte Wassertinten mit Apothekerpreisen und dem Anspruch 160 Jahre kein sichtbares Verblassen zu zeigen. Diese Ansprüche mögen für die Reproduktion von Kupferstichen aus der Albertina berechtigt sein, viele Kunst-Fotografen von heute, so hat uns der von Durst im 2-Jahres-Rhythmus veranstaltete Fotowettbewerb gezeigt - möchten ihre Werke aber direkt auf Glas, Acryl, gebürstetes Aluminium, einer weißen Fliese oder einer Silber glänzenden Folie reproduziert wissen, ohne Umweg über ein papierenes Medium und Laminierung. Hier kann die neue Inkjet-Technologie mit UV-härtenden Tinten und der Flatbed-Technologie auf Grund der immer kleiner werdenden Tröpfchen (4-7 pi) und geruchsloser Tinten in 8-10 Farben inklusive der Farbe Grau, ein neues Marktfeld schaffen, eine Nische für LFP-Drucker mit Qualitätsanspruch und in Flucht vor Preisgerangel. Dies hieße, eine neue Kategorie von Fine-Art Printing zu schaffen - Fine Art Hard Copy Printing. Eine Innovation! Kunst und Kultur scheint in der Dekade, die vor uns liegt, mehr denn je ein Wirtschaftsfaktor zu werden, vielleicht, weil man der globalen, schrill-farbigen Welt des Internet entfliehen will. Fine Art Hard Copy - Fine Art Printing direkt auf harte Unterlage - könnte eine neue Kategorie sein, für die es sich lohnt, sich zu engagieren.